Ausbildung

Renato
Mich würde mal Ausbildungsinhalte von Mitarbeitern des MfS interessieren, insbesondere solcher Mitarbeiter, die im Ausland eingesetzt wurden. Gab es extra Sprachunterricht für Fremdsprachen? Wie wurde man darauf vorbereitet, möglichst unauffällig in einem fremden Land zu leben. Wurden andere Identitäten angenommen, wenn ja wie trainierte man dies, dass man z.B. im realen Leben Horst Meier war und im Einsatz Arno Lehmann?
Merkur
Grundsätzlich muss man zuerst einmal zwischen Auslandseinsatz von hauptamtlichen Mitarbeitern und IM unterscheiden.
Mitarbeiter der HV A wurden in speziellen Lehrgängen im Objekt S (Belzig, später Gosen) auf Einsätze z. B in Legal abgedeckten Residenturen vorbereitet. Das MfS verfügte in Dammsmühle auch über ein Fremdspracheninstitut.

Die Einsatzvorbereitung von IM erfolgte individuell und teilweise über einen langen Zeitraum.
Die Einschleusung in das Operationsgebiet konnte auf der Doppelgängerbasis aber auch unter Klaridentität erfolgen. Klaridentität war insofern oft nicht besonders aussichtsreich, da mit dem DDR Hintergrund der Entwichlung (Einsatz in sicherheitsempfindlichen Bereichen) von vorn herein Grenzen gesetzt waren.
Auf der Basis von Doppelgängern suchte man sich seitens der HV A Bundesdeutsche, die ins Ausland (oft Nord/Südamerika) verzogen waren und mit deren Rückkehr nicht zu rechnen war. Zu diesen Personen wurde der Lebenslauf penibel recherchiert, Zeugnisse, Urkunden usw. gefälscht. Der IM bereiste dann im Operationsgebiet Stationen des bisherigen Lebens der Originalperson, also des Ausgewanderten. Oftmals nahm er auch legendiert Kontakt zu diesem auf, um 100%tig in diese Rolle schlüpfen zu können und Einzelheiten/Details aufzuklären. Die HV A stellte dann irgendwann eine Personaldokumentation der Wahlheimat des Ausgewanderten her. Mit dieser Dokumentaion wurde der IM beispielsweise in die Bundesrepublik geschleust. Hier bekam er dann echte bundesdeutsche Papiere und es hatte offiziell den Anschein, als käme ein vor Jahren ausgewanderter Deutscher heim.
Fred
noch ne Anmerkung: das Buch "Militäraufklärung" beschreibt das wie Merkur sagt.

Gruß Fred
Opi700
Wie lange dauerte die Schulungszeit für einen Kundschafter auf Doppelgängerbasis ?
Schließlich umfaßte die Ausbildung ja sicher auch die Nutzung von Funktechnik, Lernen von Parolen bei Treffen mit anderen unbekannten Kundschaftern etc. und dies ist, denke ich, enorm Zeitaufwendig.
Sven
Hallo,

da könnte Nordic helfen-wenn er wollte - , aber leider hat er sich verabschiedet.
vom_berg
wie ? verabschiedet?

für immer?
Sven
Sein letzter Beitrag stammt vom 13.10.........
vom_berg
hm, mal abwarten.
heig
Das wäre aber echt schade.

Hoffentlich hat er nur Urlaub und ist bald wieder hier.

heig
Merkur
Zitat:
Original von pberlin
Wie lange dauerte die Schulungszeit für einen Kundschafter auf Doppelgängerbasis ?
Schließlich umfaßte die Ausbildung ja sicher auch die Nutzung von Funktechnik, Lernen von Parolen bei Treffen mit anderen unbekannten Kundschaftern etc. und dies ist, denke ich, enorm Zeitaufwendig.


Die Dauer für die Übersiedlungsvorbereitung/Erprobung war unterschiedlich und konnte sich über mehrere Jahre hinziehen. Wie bereits erläutert, es musste alles gründlich geplant und realisiert werden.
Die Ausbildung im A 3 Funk (Verschlüsselte Sendungen auf Kurzwelle, die von der Zentrale ausgingen und vom IM abgehört wurden) einschließlich dechiffrieren usw. war relativ schnell realisiert. Über A 1 (zweiseitiger Morsefunkverkehr Zentrale-IM und umgekehrt) und A 2 Funk (einseitiger Morefunkverkehr Zentrale zum IM) verfügten die meisten IM nicht.
Parolen usw. waren auch nicht das Problem. Es gab für jeden IM Vorgang einen Verbindungsplan. Darin waren die Fragen des Verbindungswesens konret geregelt. Das betraf u. a. Legenden, Codevereinbarungen, Deckadressen, Decktelefone, Grenzschleusen, Funkverbindung, TBK usw.
Viel Zeit nahmen die Überprüfung des IM und das Vertrautmachen mit der operativen Legende/Übungsaufenthalte im Operationsgebiet/Studium der Regimeverhältnisse in Anspruch.
Wichtig im Bezug auf die Überprüfung der IM war die Zuverlässigkeit und die Psyche.
Opi700
Danke @Merkur.

Frage zu meiner Zufirdenheit beantwortet - Hut ab vor den Kundschaftern !!!

Es grüßt Peter
48.Ronin
Hallo Merkur,
wenn ich mich recht erinnere, hat einer unserer ehemaligen Dozenten im Fach allg. bzw. forensische Psychologie mal mit stolz geschwellter Brust davon erzählt, das unsere ruhmreichen Kundschafter sogar darauf trainiert wurden, den sogenannten Lügendetektor "auszutricksen". Weißt Du was darüber? Oder gehört das in den Bereich Legenden, Mythen, Hörensagen? frown jörg
Peter
kann ich mir gut vorstellen. Ist ja wie beim Freitauchen oder vollendetem Nahkampftraining. Die Beherrschung von Körper und Geist. In dem Falle, keine Körper-Reaktion zu zeigen und konzentriert die Fragen zu beantworten.
Einzelgänger
Interessante Frage. Das würde bedeuten, dass eine Entkoppelung des Hirns vom Rest des Körpers erfolgt, damit über die Rezeptoren (?) keine Reize (Schweißausbruch, Zittern, Atmung etc.) über die angebrachten Körpersensoren registriert werden können.

Bin auf die Auflösung gespannt.

Gruß EG
Fred
das mit der Entkopplung des Hirns beherrschen manche Leute ja perfekt sachse 02
Peter
da geht`s nicht um Entkopplung, sondern perfekte Kontrolle. Wie die Fakire z.B. Ein deutsches Wissenschaftlerteam ist mal mit der Kamera bis zu deren absoluten Spitzenleuten vorgedrungen. Diese Leute meiden jede Öffentlichkeit und es hat sehr lange gedauert, bis die Dinge tatsächlich vorgemacht haben. Und es ist kein Witz: da hat sich einer die Zunge abgeschnitten die wurde nach 2 min etwa wieder auf die Schnittstelle gedrückt und wuchs dermaßen schnell wieder an, dass nach kurzer Zeit keine Schnittstelle mehr da war. Wo man sofort auf einen Zaubertrick kommt - war aber echt und wissenschaftlich nicht nachweisbar. Zeitlupe, Großaufnahme, UV- Nachbearbeitung ( wo also der Temperaturabfall der abgeschnittenen Zunge zu sehen ist ) Weiß der Teufel, was im Menschen für Reserven schlummern.
Merkur
Zitat:
Original von 48.Ronin
Hallo Merkur,
wenn ich mich recht erinnere, hat einer unserer ehemaligen Dozenten im Fach allg. bzw. forensische Psychologie mal mit stolz geschwellter Brust davon erzählt, das unsere ruhmreichen Kundschafter sogar darauf trainiert wurden, den sogenannten Lügendetektor "auszutricksen". Weißt Du was darüber? Oder gehört das in den Bereich Legenden, Mythen, Hörensagen? frown jörg



Die Aussage eures Dozenten ist richtig. Es gab sogar IM, die diesen Test mehrmals absolvieren mussten und unbeschadet überstanden haben. Über die Wirksamkeit solcher Maßnahmen möge jeder selbst urteilen ! Im MfS war bekannt, daß der Polygraph, so wurde der Lügendetektor bei der Staatssicherheit bezeichnet, Mängel und Unzulänglichkeiten aufwies. Die Unzulänglichkeiten und Mängel bezogen sich auf Gerät und Verfahren. Eine Reihe von IM des MfS, die gegen amerikanische Dienste arbeiteten, wurden auf solche Tests vorbereitet, da man richtigerweise davon ausging, daß ein Polygraphen-Test durchgeführt werden kann.
Die Funktionsweise des Polygraph, beruhte auf der Erkenntnis, daß alle ablaufenden psychischen Prozesse eng mit physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper zusammenhängen und beispielsweise unter bestimmten psychologischen Einfluß eine Veränderung der Atemfrequenz, des Pulsschlages, des Blutdrucks bewirkten und ein Schweißausbruch eintritt. Diese physiologischen Reaktionen des Körpers wurden durch den Polygraphen gemessen.
Der Apparat selbst bestand aus drei Hauptteilen.
1. der Pneumograph, der die Atemfrequenz registierte;
2. der Kardiograph, der Blutdruck und Puls gemessen hat und
3. das Galvanometer, das die Veränderungen des galvanischen Widerstandes auf der Haut feststellte.

Der zu testende IM wurde einem vorbereiteten Frage-Antwort-Programm unterzogen, wobei die Körperreaktionen mittels der genannten Geräte kontrolliert und registriert wurden. Diese Tests mussten nicht unbedingt in einem Objekt der amerikanischen Dienste durchgeführt werden. Es gab auch transportable Geräte, die diese Tests u. a. in Hotelzimmern usw. gestatteten.

Der Test wurde in der Regel mit einem persönlichen Gespräch zwischen dem Polygrapher und dem IM eingeleitet. In diesem Gespräch legte der Polygrapher seine Untersuchungstaktik fest. Nach Beendigung des Gesprächs wurde der IM an das Gerät angeschlossen und der vorbereitete Fragekomplex abgehandelt. Der Fragekomplex setzte sich in der Regel aus:
- Fragen zur Persönlichkeit;
- Fragen zur politischen Entwicklung und
- Fragen zur nachrichtendienstlichen Tätigkeit
zusammen.
Dabei wurden bedeutsame mit unbedeutenden Fragen vermischt. Die Fragestellung erfolgte in Alternativform d. h. der IM mußte mit ja oder nein antworten.
Nach Abhandlung der Fragen, die in der Regel in unterschiedlicher Form wiederholt wurden, bekam der IM meist das Ergebnis der Überprüfung mitgeteilt, wobei die amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter nach Erkenntnissen des MfS die Überprüfungsergebnisse aus taktischen Erwägungen nicht selten kaschierten.

Die Gefährlichkeit der Überprüfungen für IM mittels Polygraph wurden im MfS nicht überschätzt aber auch nicht unterschätzt. Es lagen der Staatssicherheit umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die das MfS in die Lage versetzten, bei Notwendigkeit, IM auf die Tests vorzubereiten und die Wirksamkeit dieser spezifischen Überprüfungsmaßnahme der US-Dienste weitgehend zu paralysieren.
48.Ronin
@Merkur
Dankeschöööön kanne kanne kanne .
Peter
danke auch. Gab`s ja schon oft im Film zu sehen. Aber ich kann mir vorstellen, dass es auf eine völlige Verschmelzung mit der Legende hinaus läuft
Bernhardt
......bei oder nach der Rückkehr auch mal Probleme ?

Das jemand auf einmal in seiner "zweiten Identität" fest hing ?