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Original von 48.Ronin
Hallo Merkur,
wenn ich mich recht erinnere, hat einer unserer ehemaligen Dozenten im Fach allg. bzw. forensische Psychologie mal mit stolz geschwellter Brust davon erzählt, das unsere ruhmreichen Kundschafter sogar darauf trainiert wurden, den sogenannten Lügendetektor "auszutricksen". Weißt Du was darüber? Oder gehört das in den Bereich Legenden, Mythen, Hörensagen?
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Die Aussage eures Dozenten ist richtig. Es gab sogar IM, die diesen Test mehrmals absolvieren mussten und unbeschadet überstanden haben. Über die Wirksamkeit solcher Maßnahmen möge jeder selbst urteilen ! Im MfS war bekannt, daß der Polygraph, so wurde der Lügendetektor bei der Staatssicherheit bezeichnet, Mängel und Unzulänglichkeiten aufwies. Die Unzulänglichkeiten und Mängel bezogen sich auf Gerät und Verfahren. Eine Reihe von IM des MfS, die gegen amerikanische Dienste arbeiteten, wurden auf solche Tests vorbereitet, da man richtigerweise davon ausging, daß ein Polygraphen-Test durchgeführt werden kann.
Die Funktionsweise des Polygraph, beruhte auf der Erkenntnis, daß alle ablaufenden psychischen Prozesse eng mit physiologischen Vorgängen im menschlichen Körper zusammenhängen und beispielsweise unter bestimmten psychologischen Einfluß eine Veränderung der Atemfrequenz, des Pulsschlages, des Blutdrucks bewirkten und ein Schweißausbruch eintritt. Diese physiologischen Reaktionen des Körpers wurden durch den Polygraphen gemessen.
Der Apparat selbst bestand aus drei Hauptteilen.
1. der Pneumograph, der die Atemfrequenz registierte;
2. der Kardiograph, der Blutdruck und Puls gemessen hat und
3. das Galvanometer, das die Veränderungen des galvanischen Widerstandes auf der Haut feststellte.
Der zu testende IM wurde einem vorbereiteten Frage-Antwort-Programm unterzogen, wobei die Körperreaktionen mittels der genannten Geräte kontrolliert und registriert wurden. Diese Tests mussten nicht unbedingt in einem Objekt der amerikanischen Dienste durchgeführt werden. Es gab auch transportable Geräte, die diese Tests u. a. in Hotelzimmern usw. gestatteten.
Der Test wurde in der Regel mit einem persönlichen Gespräch zwischen dem Polygrapher und dem IM eingeleitet. In diesem Gespräch legte der Polygrapher seine Untersuchungstaktik fest. Nach Beendigung des Gesprächs wurde der IM an das Gerät angeschlossen und der vorbereitete Fragekomplex abgehandelt. Der Fragekomplex setzte sich in der Regel aus:
- Fragen zur Persönlichkeit;
- Fragen zur politischen Entwicklung und
- Fragen zur nachrichtendienstlichen Tätigkeit
zusammen.
Dabei wurden bedeutsame mit unbedeutenden Fragen vermischt. Die Fragestellung erfolgte in Alternativform d. h. der IM mußte mit ja oder nein antworten.
Nach Abhandlung der Fragen, die in der Regel in unterschiedlicher Form wiederholt wurden, bekam der IM meist das Ergebnis der Überprüfung mitgeteilt, wobei die amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter nach Erkenntnissen des MfS die Überprüfungsergebnisse aus taktischen Erwägungen nicht selten kaschierten.
Die Gefährlichkeit der Überprüfungen für IM mittels Polygraph wurden im MfS nicht überschätzt aber auch nicht unterschätzt. Es lagen der Staatssicherheit umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die das MfS in die Lage versetzten, bei Notwendigkeit, IM auf die Tests vorzubereiten und die Wirksamkeit dieser spezifischen Überprüfungsmaßnahme der US-Dienste weitgehend zu paralysieren.